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Kommentar: Sport und Totschlag

Über die Kumpanei korrupter Funktionäre mit totalitären Regimen

Bauarbeiter in Katar auf dem Weg zu einer der WM-Baustellen

Von den Olympischen Spielen 1936 in Nazi-Deutschland über die WM in der Militärdiktatur Argentinien 1978 zur WM 2022 im Scharia-Staat Katar: Noch nie lag den internationalen Sportverbänden bei der Auswahl ihrer Sportstätten sonderlich viel an Menschenrechten und Demokratie. Diese Ignoranz paart sich in jüngster Zeit mit beispielloser Korruption. Den Zuschlag bekommt, wer am besten schmiert.

Auch wenn – wie im Fall Katar – wirklich alles gegen das Wüstenland als Gastgeber einer Fußball-WM im Sommer 2022 spricht. Nicht einmal die Berichte von Sklavenarbeit und hunderten Toten auf den Stadienbaustellen erschrecken die Sport-Funktionäre. Doch was erwartet man von einem Mann wie dem Fifa-Präsidenten Sepp Blatter, der Bestechungsgelder „Provisionszahlungen“ nennt und das Fifa-interne Anti-Korruptionsteam unter seine persönliche Leitung stellt?

So bleibt es an den Athleten kleine Akte des Widerstands zu leisten – auch gegen ihre Sportverbände: Hochspringerin Green Tregaro setzte mit Regenbogen-Nagellack ein Zeichen gegen die schwulenfeindlichen Gesetze in Russland – und wurde vom Leichtathletik-Verband verwarnt, das IOC reagierte mit einem Verbot von „Regenbogenmaniküre“ in Sotschi. Schwimmerin Theresa Michalak solidarisierte sich per Facebook mit dem israelischen Schwimmteam, dessen Fahne in Katar ausgeblendet wurde.

So löblich diese subversiven Proteste auch sind: Es ist falsch, dass allein die Sportler moralische Maßstäbe und individuelle Freiheit verteidigen, während Sportfunktionäre und Politiker sich hinter ihnen verstecken oder ihnen gar in den Rücken fallen. Der Westen muss totalitären Regimen mit Handelssanktionen und klaren Worten begegnen und nicht versuchen, durch Abwesenheit zu glänzen. Nur so kann korrupten Sportverbänden die Legitimation für den Klüngel mit totalitären Gastgebern glaubhaft entzogen werden.

Antje Schippmann (26) kommt aus Leipzig (spricht aber nicht so), trinkt gerne guten Whisky und hatte schon mal 18 Punkte bei Quizduell. Nach ersten Jobs in Berlin, Jerusalem und Halle gentrifiziert sie jetzt den Wedding und schreibt fürs Politik-Ressort. Weitere Artikel von Antje Schippmann
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Kommentare
  • Marie  17.03.2014

    Das ist nicht nur mit Blick auf die Menschenrechte ein Skandal, auch sportlich gibt es keinen guten Grund für Katar. Frech, wie offen korrupt die FIFA agieren kann.

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